Fleischerei-Berufsgenossenschaft
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Gift in Ohrstöpseln ?
 
Stellungnahme des Bereiches Prävention der Fleischerei-Berufgenossenschaft

Untersuchungsergebnisse der Zeitschrift ÖKO-TEST 3/2002 belegen zunächst ein erfreuliches Ergebnis:  Von 11 getesteten Produkten bekamen 7 ein „sehr gut“, eines schnitt mit „gut“ ab. Drei Erzeugnisse jedoch wurden als „mit Schadstoffen belastet“ eingestuft!

Worum handelt es sich hierbei im Einzelnen?

In den aus PVC bestehenden Ohrstöpseln 3 M Serie 1200 (Fa. 3M Medica), EAR-Classic (Fa. Aero Limited) sowie Russka Antiphone (Fa. Russka) wurden nachfolgende Inhaltsstoffe gefunden:

  • Tributylzinn (TBT)
  • andere zinnorganische Verbindungen (AzV)
  • halogenorganische Verbindungen
  • Arsen
  • Antimon

Die Ohrstöpsel der Fa. Russka Antiphone verfügen nicht über die für PSA geforderte CE-Kennzeichnung, sind nicht geprüft und zugelassen und werden daher nicht weiter betrachtet.

Da es keine Ergebnisse über die Wirkung der in den Ohrstöpseln festgestellten Chemikalien gibt, müssen die Ergebnisse anderer Studien zu einer vergleichenden Bewertung herangezogen werden.
In einer Veröffentlichung des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BGVV) wird eine Konzentration von TBT in Meeresfrüchten und Speisefischen als „unbedenklich“ eingestuft, die in vergleichbarer Größenordnung liegt wie die in den Ohrstöpseln nachgewiesene.

Die festgestellten Konzentrationen AzV sind vergleichbar mit denen in Bekleidungstextilien. Für Radlerhosen wurde vom BGVV eine sehr geringe Aufnahme über die Haut festgestellt. Für Ohrstöpsel reduziert sich die Wirkung noch

  • einerseits durch die deutlich geringere Kontaktfläche im Vergleich zu den Radlerhosen und
  • andererseits dadurch, dass Ohrstöpsel im Gegensatz zu Meeresfrüchten und Speisefischen nicht zum Verzehr bestimmt sind.

Die festgestellten Arsenkonzentrationen liegen im gleichen Konzentrationsbereich, wie sie auch im Boden von Haus- und Kleingärten nachgewiesen werden und keinerlei Gefahr für die Nutzung darstellen.

Zur Bewertung der halogenorganischen Verbindungen und Antimon liegen keine bewertbaren Angaben vor. Für Antimon wird beispielsweise lediglich angegeben, dass es nachweisbar war.  Das trifft beim heutigen Stand der Messtechnik und Analysenverfahren sicher noch für eine nicht übersehbare Anzahl anorganischer und organischer Elemente und Verbindungen zu.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in den Ohrstöpseln Chemikalien nachgewiesen wurden, wie sie auch in anderen Kunststoffmaterialien oder Textilien vorkommen oder vorkommen können. Die nachgewiesenen Konzentrationen sind vergleichbar mit den Messergebnissen in Lebensmitteln, Böden oder Textilien. Eine „Gefährdung“ konnte demnach nicht abgeleitet werden.

Was ist zu tun?

Die Fa. 3M Medica bietet an, die als belastet bezeichneten Stöpsel der Serie 1200 durch die unbelasteten Stöpsel der Serie 1100 zu ersetzen.

Die Fa. Aero Limited weist in einer Stellungnahme auf die naturgegebenen Gehalte der Stoffe im PVC hin. Testergebnisse an 100 freiwilligen Personen und langjähriger Einsatz haben bisher keinen Hinweis auf negative Wirkungen durch deren Inhaltsstoffe ergeben.

Der Fachausschuss „Persönliche Schutzausrüstung“ verweist in einer Stellungnahme auf die zum gegenwärtigen Zeitpunkt anzunehmende „gesundheitliche Unbedenklichkeit“ der getesteten Ohrstöpsel sowie auf die Möglichkeit hin, im Zweifelsfall eine Reihe von schadstofffrei getesteten Polyurethan-Schaumstoff-Ohrstöpsel anzuwenden. Hierbei handelt es sich um „Bilsom 303“, „Max Lite“ und „Spark Plugs“.
 

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